Dienstag, 24. Mai 2011

Physik, Lyrik und die bunte Kuh

Oder über die Rolle der Kunst bei den Prufungsvorbereitungen

Meine Physiklehrerin sprach oft von Physik und Lyrik. Sie pflegte immer zu sagen, Physik und Lyrik seien unzertrennlich und wenn man sich mit dem einen beschäftigt, muss man sich zwangsläufig auch mit dem anderen befassen. Damals in der Schule verstand ich nicht, was sie uns damit sagen wollte, doch jetzt, 12 Jahre später, erschließt sich mir endlich der Sinn ihrer Worte.

In meinem Fall geht es zwar nicht um Physik und Lyrik sondern um Mathematik und Kunst, doch dieser Unterschied ist nicht so groß.

Ich denke, meine Lehrerin meinte wohl folgendes: 
 wenn sich jemand mit einer exakten Wissenschaft beschäftigt, braucht man etwas
unvollkommenes und unlogisches zum Ausgleich.
Man braucht eine Beschäftigung ohne Formeln und Gleichungen, ohne Beweise und Gegenbeispiele, eine Beschäftigung für das Herz damit der Kopf ruhen kann. Und es ist eigentlich ganz egal, ob man dichtet, malt, schnitzt oder sonst noch was. Wesentlich ist, dass man jederzeit aufhören  und sagen  kann - es ist vollbracht, es ist fertig. Und wenn es jemandem nicht gefällt, wenn jemand meint, es stimmt etwas nicht, ist es kein Problem. Ja, es ist sogar nicht erwähnenswert, denn was man geschaffen hat ist Kunst. Die Kunst ist nicht dazu da um zu gefallen und auch nicht um genau und präzise die Wirklichkeit nachzuahmen. Die Kunst ist da, um da zu sein und einen anderen Grund gibt es nicht - zumindest nicht für mich.  

Ich bin aber sehr weit abgeschweift, denn eigentlich wollte ich von diesem Gemälde reden:


Es ist meine Bunte Kuh, Acryl auf Leinwand, 30 x 40 cm.

Der Grund für die lange Einführung ist der, dass diese Kuh ganz spontan entstanden ist, und zwar während meiner anderthalbmonatigen Vorbereitung zur Diplomprüfung in Differentialgleichungen und numerischen Methoden zu deren Lösung. Dazu muss ich erwähnen, dass es um den Stoff von einem ganzen Jahr ging und ich keine einzige Vorlesung dazu besucht habe. Ich lernte also alles ganz alleine, nach Büchern und ohne fremde Hilfe.
Und obwohl mir der Kopf vor Zahlen, Formeln und Theoremen rauchte und ich gar keine Zeit zum Malen und ich deshalb auch ein schrecklich schlechtes Gewissen vor mir selber hatte, entstand in dieser Zeit dieses Gemälde und noch einige andere Zeichnungen.  

Die Prüfung bestand ich trotz oder vielleicht sogar dank dieser Ablenkung mit 1.0, also ist da bestimmt etwas dran, Physik und Lyrik gehören wohl doch zusammen...

PS: Über diese Kuh ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Fortsetzung folgt...

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